Pressemitteilung der BI Menschenwürde

Liest man sich die Äußerungen des Herrn Grundmann, MdB, zur Demonstration anlässlich des Todes des Afghanen Aman durch, ist man erstaunt über seine völlig undifferenzierte Argumentation. Er stellt sich ohne Wenn und Aber hinter die Polizei, so als wenn er bereits über die Ermittlungsergebnisse dieses tragischen Todes vorab informiert und sicher wäre, dass die Erschießung des jungen Mannes nur als Notwehr zu gelten hätte. Ist dies nach rechtsstaatlichem Denken besser, als wenn einige junge Menschen skandierten, dass der Tod Amans "Mord" sei?

Wir von der BI Menschenwürde haben differenziert: Wir haben deutlich gemacht, dass wir Polizei einerseits zum friedlichen Zusammenleben benötigen, dass wir aber andererseits nachweisbare Verfehlungen in diesem Dienstbereich – und auch in der Verwaltung - rückhaltlos aufgearbeitet sehen möchten. Herr Grundmann, Herr Rossberg und alle anderen in diesen Feld politischen Akteure sind verantwortlich, dafür zu sorgen, dass die Fehler analysiert werden, die letztlich zu dem Todesschuss führten, sodass so etwas in Zukunft nicht wieder geschehen kann. Hier sehr wachsam zu sein, sehen wir nicht nur als unser Recht, sondern auch als unsere staatsbürgerliche Pflicht an. Uns stimmt bedenklich, dass nach fast zweimonatiger Untersuchung nur soviel durchgesickert ist, dass der Todesschütze wieder im Dienst ist - ohne irgendwelche sonstigen Erläuterungen!

In keiner Weise nachvollziehbar ist die Einschätzung des Verlaufs der Demonstration durch den Abgeordneten Grundmann. Für ihn ist "die Demonstration vollkommen aus dem Ruder gelaufen." Ein paar Zeilen weiter oben kann man im Tageblatt die Einschätzung des Sprechers der Stader Polizei lesen: "Aus polizeilicher Sicht ist die Veranstaltung völlig problemlos verlaufen," was unserer Bewertung voll entspricht.

Für die afghanischen Jugendlichen war diese Demonstration in zweierlei Weise äußerst wichtig: Sie merkten, dass es nicht wenige Mitbürgerinnen und Mitbürger gibt, die ihre Trauer über diesen Tod und ihre Angst teilen und sich für ihre Interessen einsetzen. Und sie konnten durch das umsichtige Verhalten der begleitenden Polizisten eine positive Erfahrung mit der deutschen Polizei machen - was ja konträr zu ihren Erfahrungen mit der Polizei in ihren Herkunftsländern steht. Der Todesschuss hat sicher alte Erinnerungen hoch kommen lassen. Falls die jungen Geflüchteten erleben, dass dieser Todesschuss eindeutig aufgeklärt wird, dann wird eine differenzierte Sichtweise bei den jungen Geflüchteten eintreten können - beim Todesschuss möglicherweise schwerwiegende Fehler/Schuld, bei der Demonstration Schutz. Das könnte ein besserer Weg zu einer gelingenden Integration sein als eine undifferenzierte einseitige Sichtweise.

BI Menschenwürde Landkreis Stade