Presseerklärung der BI Menschenwürde zur Essener Tafel

Die Entscheidung der Verantwortlichen der Essener Tafel, Menschen ohne deutschen Pass vom Zugang zur Tafel auszusperren, wird gegenwärtig sehr kontrovers diskutiert. Wir halten diese Entscheidung nicht nur für wenig zielführend, sondern vor allem gegen das eindeutige Diskriminierungsverbot des Artikels 3 Grundgesetz gerichtet, das ausdrücklich festlegt, dass "niemand... wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden" darf (Artikel 3, Absatz 3 Grundgesetz).

Der grundlegende Skandal liegt aber tiefer. Er liegt in der seit Jahren ständig wachsenden Ungleichverteilung des ebenfalls ständig wachsenden Reichtums in Deutschland, wo immer weniger Menschen immer reicher und immer mehr Menschen immer ärmer werden. Diese Spreizung des Reichtums, die solche Tafeln erst nötig macht, ist nicht nur skandalös, sondern auch für den langfristigen Zusammenhalt Deutschlands hochgefährlich. In diesem Zusammenhang sind solche unprofessionellen, möglicherweise aus Überforderung entstandenen Reaktionen, wie die der Essener Verantwortlichen, zwar überhaupt nicht klein zu reden, aber sie sind unter diesen Bedingungen leider durchaus häufiger zu erwarten. Wir rufen deshalb die neue deutsche Regierung auf, das Problem dieser Spreizung zu einem ihrer vorrangigsten Themen zu machen.

Für die BI Menschenwürde Prof. Dr. Wolfgang Gessenharter