Presseerklärung der Stadteileltern des FaBiZ zur Kelek Veranstaltung in der VHS

Die Stadtteileltern haben weder zur Teilnahme an der Veranstaltung mit Necla Kelek aufgerufen noch werden sie an dieser Veranstaltung teilnehmen.

Nach abwägender Diskussion stellen wir fest:
Angesichts der Morde in Hanau und in Anbetracht zahlreicher Tötungen in den letzten 30 Jahren, die rechtsextremistisch motiviert waren - die Amadeu Antonio Stiftung (AAS) zählt im Februar diesen Jahres 208 Todesopfer rechtsextremer Gewalt und verweist zudem auf mindestens zwölf Verdachtsfälle - halten wir eine Veranstaltung, die pauschal muslimische Männer und Frauen unter Generalverdacht stellt, für wenig zielführend.
Grundsätzlich ist bereits die Behauptung, alle muslimischen Männer seien patriarchalische Unterdrücker und alle muslimischen Frauen wären Beute dieser Männer und hätten weder Selbstbewusstsein noch Selbständigkeit, abwegig und diffamierend.
Solch pauschalisierende Statements mit „gefährlichen Zerrbildern“ lassen vermuten, dass es nicht in erster Linie um die Unterdrückung der Frauen geht, sondern um die Diskreditierung einer Weltreligion.

Es bleibt zu kritisieren, dass hier aus einem Meinungsklima pseudowissenschaftliche Aussagen abgeleitet oder schlimmer noch, diese als Erkenntnis vermarktet werden.
Eine derartige Debatte aber zu einer Zeit zu initiieren, wo die deutsche Gesellschaft ein rechtsextremistisches Problem hat und wo sich viele Menschen mit internationaler Geschichte bedroht und verunsichert fühlen, macht uns fassungslos.

Wir als Stadteileltern empfinden es insbesondere als einen Schlag ins Gesicht, angesichts unserer langjährigen unterschiedlichsten Initiativen und Aktionen in Buxtehude für ein friedliches Miteinander, für gegenseitiges kulturelles Verstehen und für einen respektvollen und toleranten Umgang im alltäglichen Zusammenleben. Dafür sind wir mehrfach ausgezeichnet worden, zuletzt in diesem Jahr vom Bündnis für Demokratie und Toleranz – Gegen Extremismus und Gewalt (BfDT).

Gerade haben wir mit großer Resonanz ein Netzwerk für Vielfalt und Demokratie ins Leben gerufen, um Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Buxtehude eine Stimme zu verleihen und um Hürden sowie Ressentiments abzubauen, die wegen kultureller Missverständnisse im Alltag entstehen. Wir leisten „Übersetzungsarbeit“ kultureller Gepflogenheiten in die Community der Zugewanderten wie auch in Richtung der Einheimischen.
Unsere Erfahrung zeigt, dass pauschale Vorverurteilungen kein guter Ratgeber für einen konstruktiven Dialog sind. Wir hätten uns gefreut, wenn die Initiatorinnen der Veranstaltung das direkte Gespräch mit uns gesucht hätten. Sie wären und werden auf sehr selbstbewusste und eigenständig entscheidende Frauen mit und ohne Kopftuch treffen. Diesen Dialog halten wir für konstruktiv und bieten ihn weiter dem Vorbereitungskreis an.