Offener Brief an die Fraktionsvorsitzenden der im Buxtehuder Rat vertretenen Parteien und der FWG

Sehr geehrte Damen und Herren,

zum 23. August letzten Jahres hatten wir die Vorstände der Parteien, die zu den Kommunalwahlen angetreten waren, zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Gute Flüchtlings- und Integrationspolitik in Buxtehude“ eingeladen.

Auf dieser Veranstaltung gab es von den zu dem Zeitpunkt im Rat vertretenden Parteien, der FWG sowie der Linken eine große Übereinstimmung, in Buxtehude eine gelingende Integration der Geflüchteten auf den Weg zu bringen – wenngleich die Konkretisierungen dieser Absicht (noch) nicht immer die erforderliche Detailtiefe hatte. Auch wurde dem großen Engagement der Ehrenamtlichen von allen Seiten Respekt gezollt. Einzig die AfD, die ihren Kandidaten
für die Stadtratswahl nicht ins Podium entsandt hatte, sprach sich aus dem Auditorium gegen eine Integration der Geflüchteten aus.

Nun stehen die Haushaltsberatungen auf der Tagesordnung. Aus diesem Anlass möchten wir Sie beim Wort nehmen und sie auffordern, ihren Absichtserklärungen konkrete Taten folgen zu lassen.

Wir haben mit Bestürzung wahrgenommen, dass die Stadtverwaltung zum 01.01.2017 eine Reduktion der Stundenkapazität im Bereich der Koordinierung und Unterstützung der Ehrenamtlichen,der Initiierung von Integrationsvorhaben und der Vernetzung von am Integrationsprozess Beteiligten vorgenommen hat. Wir gehen davon aus, dass gerade jetzt für die anstehenden Integrationsprozesse qualifiziertes Personal vorhanden sein muss, um die notwendigen und vielfältigen Prozesse zu steuern. Alle im Podium vertretenen Parteienvertreter und –vertreterinnen waren sich einig, dass nach der Anfangsphase, in der es um die Unterbringung
und Erstversorgung ging, die Hauptarbeit in der Integration der Geflüchteten noch aussteht.

Die Wohnraumversorgung, der Spracherwerb, die Sicherstellung der zeitnahen Unterbringung in den Kindergärten sowie die Unterstützung der Schulen bei der Integration der Flüchtlingskinder und die Förderung von Maßnahmen, die die Aufnahme in den Arbeitsmarkt ermöglichen, waren unstrittige Punkte.

Da Buxtehude überwiegend Familien aufgenommen hat, allein fast 250 Kinder leben laut Aussagen der Verwaltung auf der letzten Sitzung des Präventionsrates neu in Buxtehude, sehen wir hier eine wichtige in die Zukunft weisende kommunale Aufgabe, die Lehrkräfte an den Schulen bei dieser Aufgabe zu unterstützen. Es fehlt an Hilfe bei den Hausaufgaben,Nachhilfeunterricht in den verschiedensten Fächern und an Räumen. Ehrenamtliche versuchen teilweise auf den Schulfluren einzelnen Kindern Unterstützung zukommen zu lassen oder springen bei der Hausaufgabenhilfe ein.

In Buxtehude mangelt es trotz großem Einsatz nach wie vor an Deutschkursen insbesondere auch an Alphabetisierungskursen. Ehrenamtliche flankieren in diesem Bereich, können aber keine formal qualifizierenden Maßnahmen ersetzen, die erforderlich sind, um auf dem Arbeitsmarkt, in Ausbildungen oder Studium Fuß zu fassen.

Nach wie vor verzweifeln viele Unterstützende an der desolaten Wohnungsmarktsituation und bei der Hilfe, Geflüchtete bei der Arbeitssuche zu unterstützen. Hier sind Sie gefragt, mit diesem Haushalt die Weichen für die Zukunft zu stellen. Die Geflüchteten, viele Ehrenamtliche und wir warten auf ein kräftiges und mutiges Signal dieses Stadtrates.

Mit freundlichen Grüßen

Ingrid Smerdka-Arhelger

Stellvertr. Vorsitzende der Bürgerinitiative Menschenwürde Landkreis Stade

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