Brief an die Bundesregierung

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrter Herr Innenminister,
sehr geehrter Herr Außenminister,

wir, die Bürgerinitiative Menschenwürde im Landkreis Stade, setzen uns für die Einhaltung der Rechte von Flüchtlingen ein und leisten konkrete Unterstützungsarbeit vor Ort. Mit großer Besorgnis haben wir den dramatischen Anstieg der Ablehnung von Asylanträgen für geflüchtete Menschen aus Afghanistan verfolgt.

U.a. begleiten wir seit etwa 2 Jahren Afghanische Familien. In der letzten Woche mussten wir erleben, dass der in Kabul lebende Bruder einer der Familien auf seinem Weg zur Arbeit bei dem schweren Attentat in Kabul ums Leben gekommen ist. Der Asylantrag dieser Familie (eine alleinstehenden Frau mit zwei minderjährigen Töchtern) wurde gerade kürzlich abgelehnt – auch mit dem Verweis, dass Sie ja Familie in Kabul habe, die sich um sie und ihren Lebensunterhalt kümmern könnte. Das hat sich jetzt auf dramatische Weise geändert und zeigt, wie wenig verlässlich Prognosen sind und wie gering die Sicherheit in Afghanistan tatsächlich ist.

Wir begrüßen deshalb nachdrücklich, dass Sie, Frau Bundeskanzlerin, die Abschiebungen vorerst ausgesetzt haben und eine Neubewertung der Sicherheitslage vornehmen lassen. Wir wünschen uns sehr, dass die reale Gefahrenlage in Afghanistan, wie sie von vielen Journalisten und NGOs berichtet wird, die Grundlage Ihrer politischen Entscheidung bilden wird und nicht mögliche innenpolitische oder wahltaktische Überlegungen. Mit Pro Asyl teilen wir die Auffassung, dass nicht der Hass von wenigen Menschen die gesamte politische Debatte nach rechts verschieben darf.

Mit freundlichen Grüßen

Barbara Erhardt-Gessenharter
Ingrid Smerdka-Arhelger
Esther Gundlach

(Bürgerinitiative Menschenwürde Landkreis Stade)